Du verkaufst für 30 Euro, freust dich – und am Monatsende ist der Kontostand trotzdem mager. Wenn du über Lieferando lieferst, liegt das oft nicht an dir, sondern an den Lieferando Kosten, die viele Gastronomen unterschätzen. Ich zeige dir hier ganz ehrlich, was hängen bleibt, wenn eine Bestellung über die Plattform reinkommt – und was passiert, wenn dieselbe Bestellung über einen eigenen Button läuft.

Ich bin Mustafa von Numara Design aus Pforzheim. Ich baue Webseiten und Bestellsysteme für Imbisse, Restaurants und Lieferdienste in der Region. Und fast jedes Gespräch mit einem Gastronomen landet irgendwann bei einem Satz: „Lieferando nimmt mir zu viel weg.“ Reden wir also mal in echten Zahlen darüber, statt nur zu schimpfen.

Was Lieferando wirklich einbehält

Lieferando kostet nicht einfach „eine Gebühr“. Es sind mehrere Posten, die sich addieren. Das ist der Grund, warum am Ende mehr weg ist, als die meisten im Kopf haben.

  • Provision bei Eigenlieferung: Wenn deine eigenen Fahrer ausliefern, liegt die Provision meist bei etwa 13 bis 14 % pro Bestellung.
  • Provision bei Lieferung durch Lieferando (Scoober): Fahren die Kuriere der Plattform, sind es grob 30 % pro Bestellung.
  • Onlinezahlungsgebühr: Kommt noch dazu, etwa 0,69 € pro Bestellung.
  • Servicegebühr seit April 2025: 2,5 bis 5 %, gedeckelt bei 0,99 € – die zahlt zwar der Kunde, macht deine Preise aber unattraktiver.

Dazu kommen zwei Dinge, die kein Geld sind, aber trotzdem teuer werden können. Erstens die sogenannte Bestpreisklausel: Du darfst auf der Plattform keine höheren Preise verlangen als sonst. Zweitens – und das ist für mich der wichtigste Punkt: Du bekommst die Kundendaten nicht. Der Kunde gehört Lieferando, nicht dir. Beim nächsten Mal bestellt er wieder über die App, nicht bei dir direkt.

Du bist nicht allein damit

Laut einer IHK-Umfrage aus 2025 sind rund 62 % der Lieferando-Partner mit den Konditionen unzufrieden. Wenn dir die Sache also im Bauch wehtut – das ist keine Einbildung, das geht fast zwei von drei Betrieben so.

Warum 30 % in der Gastronomie so brutal sind

Jetzt kommt der Teil, den viele nicht auf dem Schirm haben. 30 % klingt viel, aber richtig hart wird es erst, wenn man sich anschaut, wie dünn die Marge in der Gastro sowieso schon ist. Von jedem Euro Umsatz bleibt netto oft nur rund 3 % übrig – so steht es im DEHOGA Zahlenspiegel IV/2025.

~3 %

Netto-Marge in der Gastronomie im Schnitt – von jedem Euro Umsatz bleibt kaum etwas übrig.

Quelle: DEHOGA Zahlenspiegel IV/2025

~30 %

Provision bei Lieferung durch Lieferando (Scoober) pro Bestellung.

Quelle: Lieferando-Konditionen

62 %

der Lieferando-Partner sind mit den Konditionen unzufrieden.

Quelle: IHK-Umfrage 2025

Rechnen wir es mal auf einen Umsatz-Euro runter: Grob gehen 40 Cent für Personal drauf, 32 Cent für den Wareneinsatz, 9 Cent für Energie. Der Rest verteilt sich auf Miete, Versicherung, Steuern und so weiter. Am Ende bleiben eben diese paar Cent Gewinn. Wenn davon dann 30 Cent Provision abgehen, ist der Gewinn dieser Bestellung nicht nur weg – du kannst sogar draufzahlen.

Das Rechenbeispiel: 30 Euro über zwei Wege

Nehmen wir eine ganz normale Bestellung über 30 Euro. Einmal läuft sie über Lieferando mit deren Lieferung, einmal über einen eigenen Bestell-Button auf deiner Seite mit Stripe als Bezahldienst.

  • Über Lieferando (Scoober): rund 30 % Provision = etwa 9 € weg, dazu die Zahlungsgebühr von rund 0,69 €. Macht knapp 10 € weniger für dich – bei 30 € Umsatz.
  • Über den eigenen Bestell-Button (Stripe): grob 1,5 % plus 0,25 € pro Bestellung = deutlich unter 1 €. Der ganze Rest bleibt bei dir.

Damit du das Ausmaß siehst, hier dieselbe Rechnung hochgezogen auf 1.000 € Bestellumsatz – also das, was in einer guten Woche schnell zusammenkommt:

Pro 1.000 € UmsatzLieferando (Lieferung)Eigener Bestell-Button
Provision / Gebührengrob 300 € plus Zahlungsgebührengrob 15 bis 25 €
Was dir bleibtrund 700 €rund 975 bis 985 €
Kundendatenbleiben bei Lieferandogehören dir

Das sind grobe Richtwerte, keine Garantie – die genauen Konditionen hängen von deinem Vertrag ab. Aber die Größenordnung stimmt: Über den eigenen Kanal bleiben dir pro 1.000 € rund 250 bis 280 € mehr. Das ist bei der dünnen Marge oft der Unterschied zwischen „lohnt sich“ und „lohnt sich nicht“.

Nicht Lieferando komplett kündigen

Bitte lies das hier nicht als „schmeiß Lieferando raus“. Die Plattform bringt dir neue Kunden, die dich sonst nie gefunden hätten. Das ist echtes Geld wert. Der Fehler ist nur, ALLES darüber laufen zu lassen – auch die Stammkunden, die dich längst kennen und sowieso wieder bestellen.

Was ein eigener Bestellkanal dir bringt

Ein eigener Bestell-Button auf deiner Website ist kein Hexenwerk. Der Kunde tippt auf „Jetzt bestellen“, wählt sein Essen, zahlt mit Karte oder PayPal, und du kriegst die Bestellung. Keine 30 % Provision, keine App dazwischen. Und ein paar Dinge kommen noch obendrauf:

  1. 1Die Kundendaten gehören dir. Du weißt, wer bei dir bestellt, und kannst Stammkunden pflegen – ein Gutschein zum Geburtstag, eine Nachricht zum neuen Wochenangebot.
  2. 2Höhere Bestellungen. Laut Paytronix (2024) landen bei Bestellungen über den eigenen Kanal im Schnitt rund 35 % mehr Artikel im Warenkorb. Das ist eine Anbieterzahl aus den USA, also eher eine Richtung als eine Garantie – aber die Richtung passt.
  3. 3Mehr Bestellungen über Google. Wenn der Bestell-Link direkt im Google-Eintrag steht, kommen laut Branchendaten grob 2,5-mal so viele Bestellungen rein. Auch das eine Richtungszahl, aber der Effekt ist real: weniger Klicks bis zur Bestellung.

Mein Grundsatz für jeden Gastronomen: Lass nie mehr als 30 bis 40 % deines Umsatzes über einen einzigen Kanal laufen. Sonst bestimmt jemand anderes über deine Marge.

Mustafa, Numara Design


Wie du das konkret angehst

Du musst nicht von heute auf morgen alles umstellen. Der Weg, den ich meinen Kunden empfehle, ist ruhig und ohne Risiko:

  1. 1Lieferando erstmal behalten – für die Reichweite und die neuen Gäste.
  2. 2Einen eigenen Bestell-Button auf deiner Seite einrichten, mit Stripe zum Bezahlen. Einmal aufgesetzt, laufen keine laufenden Provisionen mehr.
  3. 3Den Bestell-Link überall zeigen: im Google-Eintrag, auf der Verpackung, mit einem kleinen Zettel in der Tüte („Nächstes Mal direkt bei uns bestellen – schneller und günstiger“).
  4. 4Stammkunden sanft rüberholen. Wer schon zweimal über Lieferando bestellt hat, kennt dich. Gib ihm einen Grund, beim nächsten Mal direkt zu kommen.

Klein anfangen zahlt sich aus

Du brauchst kein Riesenprojekt. Eine saubere Seite mit Speisekarte und einem funktionierenden Bestell-Button reicht für den Start völlig. Genau so etwas baue ich – ohne laufende Provision, das Bezahlsystem läuft direkt über dein Konto.

Das Fazit in einem Satz

Lieferando ist ein guter Türöffner, aber eine teure Dauerlösung: Bei rund 30 % Provision und einer Marge von nur etwa 3 % verschenkst du bei jeder Stammkunden-Bestellung Geld, das dir gehört. Behalte die Plattform für neue Gäste – aber gib deinen Stammkunden einen eigenen, provisionsfreien Weg zu dir. Dann bleibt am Monatsende endlich das übrig, wofür du eigentlich arbeitest.