Du meldest dich bei einem Lead-Portal an, weil du neue Aufträge brauchst. Am Anfang läuft es: ein paar Anfragen, vielleicht ein Auftrag. Dann kommt die Rechnung – und du merkst, dass jede Anfrage Geld kostet, egal ob am Ende ein Job dabei ist oder nicht. Nach ein paar Monaten stellt sich die Frage: Zahle ich hier eigentlich für Aufträge oder nur fürs Mitspielen?
Ich bin Mustafa von Numara Design aus Pforzheim, und ich höre diese Geschichte oft. Portale wie MyHammer, CHECK24 Profis oder Aroundhome sind schnell eingerichtet und liefern sofort Anfragen. Das ist der Reiz. Der Haken zeigt sich erst, wenn man ehrlich nachrechnet, was am Ende pro echtem Auftrag übrig bleibt.
Wie Lead-Portale wirklich funktionieren
Ein „Lead" ist einfach eine Anfrage – jemand, der ein Angebot für seine Badsanierung oder seinen Zaun sucht. Das Portal sammelt diese Anfrage ein und verkauft sie weiter. An dich. Und in vielen Fällen nicht nur an dich, sondern gleichzeitig an mehrere Betriebe in deiner Nähe.
Das heißt: Du bezahlst für den Kontakt und stehst danach trotzdem im Rennen gegen drei, vier oder fünf andere, die denselben Kontakt gekauft haben. Der Kunde bekommt einen Schwung Angebote und pickt sich meist das billigste heraus. Du zahlst also fürs Mitmachen an einer Preisschlacht, die du gar nicht wolltest.
50–120 €
kostet grob ein einzelner Lead bei den großen Portalen – je nach Gewerk und Auftragsgröße.
Quelle: Marktübliche Preisspannen, als grobe Orientierung
bis 5×
so hoch fällt der Preis pro gewonnenem Auftrag aus, wenn Leads geteilt werden und viele ohne Job bleiben.
Quelle: Beispielrechnung, je nach Fall
~90 %
der gekauften Anfragen führen laut Erfahrungsberichten zu keinem Auftrag – als Erfahrungswert lesen, nicht als feste Zahl.
Quelle: Anekdotische Erfahrungswerte aus dem Handwerk
Die Rechnung, die keiner gern macht
Sagen wir, ein Lead kostet dich 80 €. Klingt fair für einen möglichen Auftrag. Aber jetzt kommt der Teil, den die Portale nicht groß bewerben: Nicht jede Anfrage wird ein Job. Viele fragen nur unverbindlich, sind schon woanders untergekommen oder wollten nur einen Preis zum Vergleichen.
Wenn – als grobes Beispiel – nur jede fünfte Anfrage zu einem Auftrag wird, hast du fünf Leads gekauft, um einen Job zu bekommen. Fünf mal 80 € sind 400 € pro gewonnenem Auftrag – noch bevor du eine Schraube angefasst hast. Bei geteilten Leads, wo du gegen mehrere antrittst, wird die Quote oft noch schlechter.
| Posten | Beispielrechnung |
|---|---|
| Preis pro Lead | 80 € |
| Anfragen bis zum Auftrag | ca. 5 |
| Effektive Kosten je Auftrag | ca. 400 € |
| Wettbewerb um denselben Lead | oft 3–5 Betriebe |
| Was dir davon bleibt | null – kein Kunde, keine Sichtbarkeit |
Gerade in Prüfung
Die Geschäftspraktiken einzelner Lead-Portale stehen 2026 auf dem Prüfstand – ein Kartellverfahren rund um die Vermittlung läuft. Was dabei herauskommt, ist offen. Für dich heißt das vor allem: Verlass dich nicht allein auf einen Kanal, den du nicht selbst in der Hand hast.
Was dir bei Portalen fehlt: die Anfragen gehören dir nicht
Der eigentliche Nachteil ist nicht mal der Preis. Es ist die Abhängigkeit. Solange du zahlst, kommen Anfragen. In der Sekunde, in der du aufhörst, ist Stille. Du baust dir kein eigenes Fundament auf – du mietest jeden Monat neu ein.
Und du bleibst austauschbar. Auf dem Portal bist du eine Zeile in einer Liste, direkt neben der Konkurrenz, sortiert nach Preis. Der Kunde lernt nicht *dich* kennen, sondern nur deine Zahl. Deinen guten Ruf, deine sauberen Arbeiten, die netten Bewertungen von Stammkunden – das alles spielt kaum eine Rolle.
Die Alternative: ein Kanal, der dir gehört
Eine eigene Website und ein gepflegtes Google-Profil funktionieren genau andersherum. Am Anfang ist es etwas Aufwand, aber danach arbeitet die Sache für dich weiter – ohne dass jede Anfrage einzeln Geld kostet.
- Die Anfrage gehört dir. Ruft jemand über deine Seite an, zahlst du dafür keine Provision und teilst den Kontakt mit niemandem.
- Du wirst als Betrieb wahrgenommen, nicht als Preis in einer Liste. Fotos, echte Bewertungen, deine Handschrift – das schafft Vertrauen vor dem ersten Wort.
- Die Kosten sinken über die Zeit. Die Seite steht, das Google-Profil auch. Jede weitere Anfrage kostet dich praktisch nichts extra.
- Du baust eigene Sichtbarkeit auf, die bleibt – statt Monat für Monat neu dafür zu bezahlen, überhaupt gesehen zu werden.
| Punkt | Lead-Portal | Eigene Website + Google |
|---|---|---|
| Kosten | pro Anfrage, dauerhaft | einmal Aufbau, dann kaum laufend |
| Wem gehört die Anfrage | dem Portal | dir |
| Geteilt mit Konkurrenz | oft ja | nein |
| Vergleich | nach Preis, direkt nebeneinander | nach Vertrauen und Eindruck |
| Abhängigkeit | hoch – zahlst du nicht, ist Stille | gering – der Kanal bleibt dir |
| Sichtbarkeit langfristig | keine eigene | wächst mit der Zeit |
Mein ehrlicher Tipp
Ich sage nicht, dass Portale grundsätzlich schlecht sind. Als kurzfristige Ergänzung, um eine Flaute zu überbrücken oder einen neuen Standort anzuschieben, können sie okay sein. Der Fehler ist, sie zum Dauerzustand zu machen. Nutze sie als Anschub – und bau parallel den Kanal auf, der dir gehört.
Das Fazit
Lead-Portale verkaufen dir Anfragen, aber sie verkaufen dir keine Zukunft. Du zahlst pro Kontakt, teilst ihn oft mit der Konkurrenz und stehst am Monatsende wieder bei null, sobald du aufhörst zu zahlen. Eine eigene Website mit Google-Profil kostet am Anfang etwas Mühe – dafür gehören dir die Anfragen danach, und die Kosten pro Auftrag sinken, statt jeden Monat neu anzufallen. Wenn du langfristig unabhängig arbeiten willst, führt kein Weg an deinem eigenen Kanal vorbei.