Fast jede Praxis, mit der ich spreche, hat dieselbe Frage: „Brauchen wir Doctolib – und was kostet uns das eigentlich am Ende?“ Die Antwort ist unbequemer, als die freundlichen Verkaufsgespräche vermuten lassen. Denn der Preis steht nicht pro Praxis, sondern pro Kopf. Und genau das übersehen viele.

Ich bin Mustafa von Numara Design aus Pforzheim. Ich baue unter anderem Terminsysteme für lokale Betriebe und Praxen. Vorweg, damit du weißt, woran du bist: Ich habe nichts gegen Doctolib. Für manche Praxis ist die Plattform genau richtig. Nur wird selten ehrlich darüber geredet, was sie kostet und was die Alternative kann. Das hole ich hier nach.

Was Doctolib eine Praxis wirklich kostet

Doctolib nennt keine festen Listenpreise, die Pakete werden individuell verhandelt. Aus den Erfahrungen von Praxen liegt der Preis grob zwischen 139 und 475 € pro Monat – und zwar pro Behandler, nicht pro Praxis. Das ist der entscheidende Punkt, der auf den ersten Blick untergeht.

Rechne es einmal für dich durch. Eine Einzelpraxis mit einem Arzt zahlt vielleicht 150 € im Monat – überschaubar. Aber eine Gemeinschaftspraxis mit drei oder vier Behandlern landet schnell bei über 1.000 € im Monat. Aufs Jahr sind das über 12.000 €. Für Geld, das jeden Monat abfließt, egal wie viele Termine tatsächlich über die Plattform reinkommen.

139–475 €

Monatskosten bei Doctolib – pro Behandler, nicht pro Praxis.

Quelle: Erfahrungswerte aus Praxen, individuell verhandelt

>1.000 €

pro Monat sind bei einer Mehrbehandler-Praxis schnell erreicht.

Quelle: Beispielrechnung, 3–4 Behandler

12–24 Mon.

übliche Vertragsbindung – so lange bist du gebunden.

Quelle: Vertragslaufzeiten Plattform

Dazu kommt die Vertragsbindung von 12 bis 24 Monaten. Du entscheidest also nicht monatlich neu, ob sich das lohnt, sondern bindest dich für ein bis zwei Jahre. Wenn nach ein paar Monaten auffällt, dass die meisten Termine ohnehin von Stammpatienten kommen, die dich sowieso kennen, kommst du trotzdem nicht so einfach raus.

Der Punkt, über den keiner gern redet: die Patientendaten

Es geht nicht nur ums Geld. Verbraucherschützer schauen seit Jahren kritisch auf Terminplattformen. Die Verbraucherzentrale und Stiftung Warentest haben mehrfach bemängelt, wie viele Daten dort zusammenlaufen und wie intransparent teils weitergegeben wird – gerade bei so sensiblen Informationen wie Gesundheitsdaten.

Der Kern ist einfach: Wenn ein Patient über die Plattform bucht, entsteht die Beziehung zunächst zur Plattform, nicht nur zu dir. Die Daten liegen in einem System, das dir nicht gehört. Bei einer eigenen Terminseite bleibt der Termin, die Adresse, die Telefonnummer – alles direkt bei dir in der Praxis. Das ist kein technisches Detail, das ist eine Frage, wem die Beziehung zu deinen Patienten gehört.

Kurz zum Datenschutz

Gesundheitsdaten sind besonders geschützte Daten. Wer sie verarbeitet, trägt Verantwortung – auch bei der Wahl der Werkzeuge. Prüfe bei jeder Lösung den Auftragsverarbeitungsvertrag und wo die Daten liegen. Ich bin kein Anwalt, aber das ist der Punkt, an dem sich eine kurze Rücksprache mit einem Fachanwalt lohnt.

Was Doctolib besser kann: gefunden werden

Fair bleiben: Die Plattform hat einen echten Vorteil, den eine eigene Seite nicht einfach so nachmacht. Das ist die Reichweite. Wer in einer neuen Stadt einen Hautarzt sucht und noch keine Praxis kennt, landet oft direkt in der Suche der Plattform. Da tauchst du auf, ohne dass der Patient dich vorher je gehört hat.

Für eine junge Praxis, die gerade erst Patienten aufbaut, kann das viel wert sein. Die Plattform bringt Menschen, die dich sonst nicht gefunden hätten. Das ist ihr stärkstes Argument – und es ist ein ehrliches.

Nur: Für die meisten etablierten Praxen kommen die Termine gar nicht von wildfremden Neupatienten. Sie kommen von Menschen, die dich schon kennen, weiterempfohlen bekommen haben oder auf deiner Website gelandet sind. Und für die brauchst du die teure Reichweite nicht – die suchen gezielt nach dir.

Die eigene Terminseite: was sie kann und was nicht

Eine eigene Online-Terminseite sitzt direkt auf deiner Praxis-Website. Der Patient landet über Google bei dir, sieht deine Leistungen, deine Öffnungszeiten – und bucht mit ein paar Klicks einen Termin. Ohne Umweg über eine fremde Plattform. So sieht der ehrliche Vergleich aus:

PunktDoctolibEigene Terminseite
Kosten139–475 € pro Behandler / Monatkeine monatliche Pro-Kopf-Gebühr
Bindung12–24 Monate Vertraggehört dir, keine Laufzeit
Patientendatenlaufen über die Plattformbleiben in der Praxis
Neue Patienten finden dichstark – über die Plattform-Sucheüber Google und deine Website
Wer findet dich bei KI & Googledie Plattform-Seitedeine eigene Seite

Ein Punkt, der immer wichtiger wird: KI-Assistenten und Google zeigen bevorzugt echte, eigene Seiten. Wenn jemand seinen Sprachassistenten fragt „welcher Zahnarzt in Pforzheim hat heute noch frei“, ist es ein Vorteil, wenn deine eigene Seite die Antwort liefert – und nicht nur ein Eintrag in einem fremden Portal, in dem du einer von vielen bist.

Was die eigene Seite nicht kann: Sie zaubert keine fremden Neupatienten herbei, die noch nie von dir gehört haben. Dafür musst du gefunden werden – über einen guten Google-Eintrag und eine saubere Website. Das ist machbar, aber es ist ehrlicherweise etwas mehr Aufbauarbeit als „einfach bei der Plattform anmelden“.

Mein ehrlicher Tipp

Nutze die Plattform nicht als einzigen Kanal – sonst bezahlst du dauerhaft dafür, mit deinen eigenen Patienten in Kontakt zu bleiben. Eine eigene Terminseite als Basis, und die Plattform bei Bedarf als Ergänzung für echte Neupatienten. So behältst du die Kontrolle und zahlst nur für das, was dir wirklich neue Menschen bringt.

Für wen sich was lohnt

Kurz und ohne Umschweife: Eine neue Praxis oder ein Fachbereich, in dem Patienten viel wechseln, profitiert am Anfang von der Reichweite der Plattform. Eine etablierte Praxis mit festem Patientenstamm zahlt dagegen oft viel Geld für Termine, die sowieso gekommen wären – hier ist die eigene Terminseite fast immer die günstigere und selbstbestimmtere Wahl.

  • Einzelpraxis, viele Stammpatienten: eigene Terminseite reicht meist völlig.
  • Mehrbehandler-Praxis: die Pro-Kopf-Kosten der Plattform tun richtig weh – eigene Seite spart am meisten.
  • Neue Praxis ohne Patientenstamm: Plattform für den Start, eigene Seite parallel aufbauen.
  • Praxis mit Datenschutz-Anspruch: eigene Seite, weil die Daten in der Praxis bleiben.

Das Fazit

Doctolib ist kein schlechtes Werkzeug – aber es ist ein teures, wenn du mehrere Behandler hast und deine Patienten dich ohnehin kennen. Der Preis pro Kopf, die lange Bindung und die Frage, wem die Patientendaten gehören, sind Gründe genug, die eigene Terminseite ernsthaft zu prüfen. Für die meisten Praxen ist die ehrliche Antwort nicht „entweder oder“, sondern: eigene Seite als Fundament, Plattform nur da, wo sie wirklich neue Menschen bringt. Du bezahlst dann für Reichweite – und nicht dafür, deine eigenen Patienten verwalten zu dürfen.

Passend dazu: No-Shows reduzieren: Termine per Erinnerung sichern und Zahnarzt-Website: neue Patienten online gewinnen.